Krankheiten
Mit der Übernahme von Krümel und seinem Artgenossen machte ich
meine ersten Erfahrungen mit Reptilienkrankheiten - fast
unumgänglich, wenn man sich die damaligen Haltungsbedingungen
ins Gedächtnis ruft.
Während Krümels Artgenosse "nur" sehr helle Schleimhäute hatte,
was auf einen Bakterienbefall hindeutete, hatte es den kleinen
Snow-Kerl schlimmer erwischt. -
Dass und woran Krümel allerdings erkrankt war, war mir bei den
ersten Auffälligkeiten nicht bekannt.
Als ich Krümel einige Tage nach seiner Häutung im Oktober 2010
füttern wollte, er sich aktiv und munter zeigte und mir außer
ungewohnt dünnflüssigem Kot nichts Körperliches an ihm
aufgefallen war, erschrak ich etwas, als ich ihn damals aus der
Wetbox heraus holte und seine entzündete Kloake sah.
Ohne lange zu überlegen - und vor allem: ohne mich erst mal über
Foren "schlau" zu machen -, rief ich bei meinem Repti-TA an und
vereinbarte den nächstmöglichen Termin am gleichen Abend.
Als ich Krümel für
die Fahrt zum TA einpackte, sah die Kloake wieder völlig normal
aus und ich fürchtete einen "Vorführeffekt"... Beim Doc aus dem
Beutel geholt, war die Kloake allerdings wieder etwas
vergrößert.
Der Abstrich zeigte, dass Krümel unter einem starken
Flagellatenbefall erkrankt war, der mit Tabletten behandelt
werden musste, was sich jedoch recht abenteuerlich
darstellte: wegen seiner geringen Körpermasse bekam ich von
dem notwendigen Medikament 2 TablettenstückCHEN, woraus ich für
die nächsten 14 Tage die täglichen Portionen schneiden durfte -
war das ein Gefuzzel!
Nach dem letzten Medi-Tag sollte ich dann noch ca. 1 Woche
warten und eine weitere Kotprobe zum Doc bringen.
Weil ich mir erst nicht anders zu helfen wusste und ohnehin die
Fütterung anstand, versteckte ich
die erste Tagesration in die Mäuler von 2 Babymäusen. -
Laut meinem Repti-Doc war / ist es völlig egal, wie ich Krümel
sein Medikament verabreichte - der Zweck heiligt jedes Mittel -,
hauptsache er bekommt es und es landet NICHT im Luftsack.
Da ich ihm aber nun nicht jeden Tag eine Babymaus geben konnte,
musste ich mir noch etwas anderes einfallen lassen, wie ich das
Medikament in ihn rein und sein kleines Maul dafür auf bekomme.
Tipps, für die Gabe von Medikamenten, die im Intervall
gegeben werden müssen, erhältst du
Hier.
Die Spitze einer Pinzette sowie ein Holzspatel waren zu groß und
versperrten mir den Weg zum Rachen, sodass ich in einem
Bastelbedarfsladen Uhrzeiger kaufte und hiervon den Minutenzeiger
zum Maul öffnen verwendete. - Ungewöhnliche Situationen
erfordern ungewöhnliche Lösungen.
Eine (kleine, eigentliche agile) Schlange fest zu halten, um ihr
ein Medikament verabreichen zu können, gestaltete sich mit nur
zwei Händen als äußerst schwierig, sodass ich mir in Form einer
Freundin Hilfe holte:
Am ersten Tag öffneten wir Krümel mit dem Uhrzeiger nur das Maul
und spritzten ihm das Medikament mit einer kleinen Spritze (Ohne
Nadel!) ins Maul. - Der kleine Rachenraum wurde allerdings
derart "geflutet", dass ich es mit der Angst bekam, den
Luftsack getroffen zu haben. - Den Luftsack haben wir
glücklicherweise nicht unter Wasser gesetzt, da Schlangen in so
einem Fall sofort zu röcheln und husten anfangen, dies war bei
Krümel nicht der Fall.
Die neue Idee (ein Tropfen Wasser auf das Ende eines dünnen
Teelöffelstiels, darin das
Tablettenstückchen aufgelöst, per Uhrzeiger das Maul geöffnet,
Mixtur ins Maul gekippt, ggf. am Gaumen abgestrichen) klappte von Anfang an ziemlich gut und
ging schnell; somit war auch für Stressminimierung für Krümel
gesorgt.
Info:
Das Maul der Schlange ist wie bei uns ständig mit Speichel
benetzt, wodurch Medikamente genauso gut in den Magen abwandern.
Wie wichtig Quarantänemaßnahmen und Zwischenuntersuchungen sind,
zeigt dieses Beispiel recht gut: im August hatte ich eine Kotprobe zum Doc
gegeben, sie wurde unterm Mikroskop untersucht und war
unauffällig - ebenso die Untersuchung Anfang September über Exomed.
Als einziges typisches Anzeichen von Flagellatenbefall war bei Krümel von
Anfang an der sehr wässrige Kot - er hat weder seine
Nahrung verweigert, noch sich abnormal verhalten oder
abgenommen. - Im Gegenteil: zu diesem Zeitpunkt hatte er trotz
Erkrankung 6 Gramm zugenommen.
Die gern allseits empfohlene Quarantänezeit von "max. 8 Wochen sind
ausreichend" sei hiermit auch widerlegt: Krümel lebte
seit knapp 10 Wochen in seiner Box und erst dann konnten
Parasiten nachgewiesen werden.
Welche Krankheiten und Verhaltensveränderungen es bei Kornnattern noch gibt / geben kann,
erfährst du als Kurzfassung auf der
nächsten Seite.
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